Geschichte

0023-1 1994

Wir Siedler Knüppel…

Kapitel 1: Ruhe vor dem Sturm

Wir schreiben das Jahr 1987. In allen Kitzinger Stadteilen wird Kirchweih gefeiert. In allen? Nein! Ausgerechnet in Kitzingens größtem Stadtteil, der Siedlung, nicht.
Die Siedler Kerm war damals eingeschlafen. Zumindest der Brauchtumsteil. Seit 1982 hatte es in der Siedlung keinen Kirchweihumzug mehr gegeben. Doch 1987 soll nun alles anders werden, denn in diesem Jahr kommt es schließlich zur Revolution.
Einige mutige, junge Burschen aus der Siedlung haben zur Rettung der Kerm nämlich einen tollkühnen Plan ausgeheckt. Um diesen umsetzen zu können, kommen sie 1987 als die erste Burschenschaft der Siedlung im Gasthaus „Goldberg“ zusammen.
Dies kann als erstes Treffen der Burschenschaft „Siedler Knörz“ betrachtet werden, wobei der Name sich erst später durchsetzen wird. Bis 1982 waren die Spatenträger nämlich nur ein loser Verbund.


Kapitel 2: Ein tollkühner Plan

Zurück zum Plan: Um dem Brauchtumsteil der „Siedler Kerm“ wieder Leben einzuhauchen, bedienen sich die jungen Burschen einer alten Siedler Tugend: Die Dinge einfach selbst in die Hand nehmen!
So zieht am 2. August 1987 ein selbst auf die Beine gestellter Protestzug durch die Siedlung. Mit nur einem einzigen Traktor mit Hänger ziehen die jungen Helden durch die Siedlung. Damit die begeisterten Zuschauer den Überblick behalten, wurde noch an der Vorderseite ein „Zuganfang“- und am Hinterteil ein „Zugende“-Schild befestigt.
Der Umzug erfüllt seinen Zweck, denn die Leute reden darüber und werden dabei daran erinnert, wie schön es einmal war


Kapitel 3: Wie ein Felsen aus Granit

Auch im nächsten Jahr wiederholte sich der Protestzug, diesmal jedoch viel größer. Zwei Traktoren und eine Fußgruppe marschierten im August 1988 durch die Siedlung. Der aufmerksame Leser wird sich denken können, aus wem die wagemutige Fußgruppe bestand: Aus den angeheiterten Burschen aus dem „Goldberg“.
Mit weißen Hemden, rotem Halstuch, blauer Jeans und Spaten auf der Schulter sehen sie nicht nur absolut fesch aus, sondern verleihen auch dem Wunsch nach einer richtigen Kerm Ausdruck.
Der Aufstand der Burschen drang nun bis zum damaligen Vorsitzenden des Siedlerbundes, Heinz Ungerer, durch. Und siehe da: Er erklärte sich bereit mit den Burschen wieder eine echte Kirchweih auf die Beine stellen.


Kapitel 4: Die Würfel sind gefallen

Zuerst einmal mussten die damaligen 15 Mitglieder der Burschenschaft eine Vorstandschaft wählen. Beim ersten Treffen hierzu, am 10. April 1989, musste die Wahl allerdings aufgrund mangelnder Jugendlicher ins Wasser fallen. Jene waren scheinbar unterwegs nach Berlin um dort eigenhändig die Berliner Mauer einzureißen. Dies könnte allerdings auch ein Gerücht sein.
Zwei Wochen später, am 24. April, sollte es aber nun klappen. Die erste Vorstandschaft der Burschenschaft setzte sich wie folgt zusammen:
1. Vorsitzender: Frank Schütz
2. Vorsitzender: Jürgen Niedermeyer
Kassier: Heidi Rios
Schriftführer: Oliver Zimmermann
Kassenprüfer: Andreas Will und Oliver Szablewski.
Jetzt musste auch ein Name her. Rüdiger Spurny brachte hierzu den entscheidenden Vorschlag. Überall wurden die Siedler als „Siedler Knörz“ bezeichnet, warum also nicht den Namen übernehmen. Spurny entwarf nun auch das bekannte Logo der Burschenschaft. Auch ein Stammsitz stand schnell fest: Das Gasthaus „Goldberg“.


Kapitel 5: Das Treffen der Acht

Um die „Siedler Kerm“ wiederzubeleben wurde ein erstes Arbeitstreffen, bestehend aus den Vorsitzenden der acht Vereine, die sich an der Kerm beteiligen wollen, organisiert.
Vieles gab es im Vorfeld zu klären. Um das Problem des Geldmangels zu umgehen, entschließt man sich Haussammlungen durchzuführen, wie es auch noch heute Brauch ist. Nach längerer Diskussion konnte man sich außerdem darauf einigen, dass die Siedlervereinigung und die Burschenschaft im jährlichen Wechsel eine Siedlerkönigin stellen. Seit 1998 erst stellt die Burschenschaft die Königin alleinig.
Außerdem einigte man sich darauf die hauptsächliche Organisation der Kirchweih in die Hände der grandiosen Burschenschaft „Siedler Knörz“ zu legen.


Kapitel 6: Der Phoenix aus der Asche

Nach langer Vorbereitungszeit war es am 4. bis 7. August 1989 soweit: Die Kirchweih wurde wieder gefeiert. Am Sonntag wurden auf dem ansteigenden Gelände der, heute bebauten, Ernst-Reuther-Straße die Kirchweihfässchen ausgegraben. Sechs Wägen und drei Fußgruppen schafften für jeden Anwesenden ein unvergessliches Erlebnis. Für die musikalische Unterhaltung sorgte der Spielmannszug Albertshofen, sowie die Musikkapelle Kolping.
Den Posten des Vorreiters übernahm Udo Zimmermann, der ein Jahr später von Mathias Rumpel von der anstrengenden Aufgabe abgelöst wird.
Am Dienstag nach der Kirchweih wurde am Gasthaus „Goldberg“ die Kerm wieder begraben. Diese Tradition sollte später allerdings wieder auf Montag verlegt werden, weil in der gesamten Gegend kein Bier mehr zu bekommen war (Anmerk.: Evtl. Gerücht).


Kapitel 7: Eingespieltes Team

Mit dem neuen Organisationsteam, der Burschenschaft „Siedler Knörz“, konnte die Kerm nun wieder jährlich stattfinden.
Als Frank Schütz 1991 sein Amt als Vorsitzender niederlegte, fand er mit Jürgen Niedermeyer einen Nachfolger. Ab 1997 übernahm Mathias Rumpel, lange Jahre Vorreiter, den Vorsitz der Knörz.
2003 wurde er schließlich ebenfalls von einem ehemaligen Vorreiter abgelöst: Manuel Müller. Jener gab Anfang 2013 das Amt an Andreas Stöhr weiter und dieser 2014 an Dominic Niedermeyer. Ab 2017 war Markus Gimperlein der Vorsitzende der Burschenschaft. Seit 2019 übernimmt Michael Neubert das Amt.


Kapitel 8: Ein schmerzlicher Abschied

Als im Jahre 2005 die Gastwirtin des Gasthauses „Goldberg“, Renate Hammer, die Pforten schloss, verloren die Knörz auch ihr Vereinsheim. Seitdem hält die Burschenschaft ihre Versammlungen in allen Gasthäusern der Siedlung, oder bei Privatpersonen ab.
2006 adoptierte die Burschenschaft eine wichtige Tradition vom Wanderverein „Schiefer Turm“. In diesem Jahr stellten die Burschen, als Nachfolger der Wanderer, erstmals den Siedler Maibaum auf.


Kapitel 9: Eine unvergleichliche Erfolgsstory

Im Laufe der letzten Jahre haben die Burschen noch weitere Aufgaben übernommen und stellen mittlerweile eine unverzichtbare Stütze der Gesellschaft da.
Voller Tatendrang arbeiteten die Knörz von Anfang an im Bürgerarbeitskreis des Projektes „Soziale Stadt“ mit. An jedem „RamaDama“ (Aufräumaktion in der Siedlung) stellen sie die größte Truppe. Und auch der Grillplatz und das erfolgreiche Frühlingsfest wurden von ihnen ins Leben gerufen.
Tatkräftig beteiligen sich die Burschen und Mädels auch an Aktionen wie dem Sternenzauber oder organisieren Kinderdiscos. Es gebe noch viele weitere gute Taten, die von der Burschenschaft „Siedler Knörz“ vollbracht werden, aber alle zu nennen würde unseren Webspace sprengen.
Anfang des Jahres 2013 haben sich die Mitglieder der Burschenschaft dazu entschieden offiziell einen „Nicht eingetragenen Verein“ zu gründen. Dieser soll in den nächsten Jahren in einen eingetragenen Verein gewandelt werden.